Das Flamenco-Verzeichnis

Wichtige Persönlichkeiten in den Anfängen des Flamencos

Wichtige Persönlichkeiten in den Anfängen des Flamencos

Im 19. Jahrhundert wurde der Flamenco so richtig populär und eine Art Volkskultur. In dieser Zeit entstanden in Sevilla die ersten Flamenco-Cafés, wo zunächst nicht getanzt, sondern vor allem gesungen wurde. Es waren Männer, die in dieser Frühphase dem Flamenco erste Ganzlichter aufsetzten, der Tanz der Frauen in ihren prachtvollen Tanzgewändern kam erst später hinzu. Diese erste Blütezeit des Flamencos, die etwa von den 1870er Jahren bis in die ersten Jahre nach 1900 dauerte, wird in Spanien auch als das Goldene Flamenco-Zeitalter bezeichnet. Dabei entwickelten sich einige führende Persönlichkeiten innerhalb der andalusischen Flamenco-Szene zu bald in ganz Spanien gefeierten Galionsfiguren.

Einer der wichtigsten Stars dieser Zeit war der aus Sevilla stammende Silverio Franconetti (1831-1889), in seiner Heimat auch einfach bekannt als Silverio. Seine Persönlichkeit steht beispielhaft für die vielen kulturellen Wurzeln, die der Flamenco hat: Als Sohn eines italienischen Einwanderers und einer andalusischen Mutter wuchs Silverio multi-kulturell auf. Selber nicht von Gitanos abstammend, befasste sich der gelernte Schneider früh mit Flamenco-Liedgut der Ciganos und setzte es in eigene Interpretationen um. Von Aufenthalten in Südamerika brachte er neue musikalische Einflüsse in seine alte Heimat mit. Silverio modernisierte und popularisierte den spröden und herben Flamenco-Gesang, wie er zuvor präsentiert wurde. Wegen seines ausdrucksstarken, einschmeichelnden Tenorgesangs erhielt er den Spitznamen „die Honigstimme“. Silverio gründete in Sevilla und später Madrid mehrere Flamenco-Cafés und gilt als Vater des Flamencos als Popularkultur. Auch Frauen eroberten allmählich mit ihrem ausdrucksstarken Gesang die Flamenco-Cafés. Eine der berühmtsten Interpretinnen ihrer Zeit war La Serneta (1837 bis 1912) aus Jerez de la Frontera.

Tanz als begleitendes Element zum Flamenco-Gesang entwickelte sich in dieser Zeit erst allmählich und entfaltete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur vollen Blüte. Diesmal war es eine Frau, die als Flamenco-Tänzerin Maßstäbe setzte: Juana la Macarrona (1860-1947), die ebenfalls aus Jerez de la Frontera stammte, eine der Hochburgen des frühen Flamencos in Gitanos-Tradition. Schon mit 7 Jahren tanzte die kleine Juana, von ihrem Vater auf der Gitarre begleitet, in den Straßen von Sevilla. Dort entdeckte sie Silverio und förderte ihre Karriere. Juana la Macarrona wurde ein international gefeierter Star und machte Flamenco-Tanz vor allem in Frankreich populär.