Das Flamenco-Verzeichnis

Was ist Flamenco?

Was ist Flamenco?

Unter dem Begriff „Flamenco“ versteht man heute eine Gattung andalusischer Tänze und Tanzlieder. Die Texte sind meist melancholisch und werden musikalisch mit Gitarrenbegleitung umrahmt.
Flamenco gilt als traditionelle spanische Musik, ursprünglich wurde sie aber von vielen unterschiedlichen kulturellen Einflüssen geprägt.

Heutzutage assoziiert man mit Flamenco gemeinhin einen spanischen Tanz. Fragt man aber Spanier, insbesondere die „Flamencos“ selbst – also diejenigen, die das musikalische Genre des Flamenco praktizieren – so wird man darauf hingewiesen, dass der Gesang das zentrale Element ist.
Den Flamencogesang bezeichnet man in der spanischen Sprache als „cante“ und dieser bildet die Grundlage für alles weitere. Es handelt sich dabei um einen rauen, schwermütig anmutenden Gesang, der ursprünglich ohne unterstützende Instrumentalbegleitung vorgetragen wurde.
Es existieren noch Originaltexte, die aber sprachlich schwer zu verstehen sind, da sie oft arabische Züge tragen. Die Themen sind vielfältig und decken alle erdenklichen Lebensbereiche ab, Schwerpunkte sind aber oft unerreichbare oder enttäuschte Liebe, Verlust, Leid sowie Ungerechtigkeit.

Lange vor dem heute so selbstverständlich dazugehörenden Gitarrenspiel wurden andere rhythmische Mittel eingebracht, aber nur solche, die man selbst mit dem eigenen Körper erzeugen konnte, wie beispielsweise ein Händeklatschen.

Das begleitende Spiel der Gitarre – spanisch „el toque“ genannt – etablierte sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und entwickelte sich von diesem Zeitpunkt an immer mehr zu einer eigenständigen Kunstform.
In enger Verbindung mit dem Gitarrenspiel steht der Tanz, der etwa zur gleichen Zeit an Bedeutung gewann. Besonders die Zeitspanne von 1850 bis 1936 ist hierfür von Bedeutung, was in Zusammenhang mit der wachsenden Popularität eigener Flamenco-Lokale steht. Diese in Spanien als „cafés cantantes“ bezeichneten Lokale wurden Schauplatz für die tänzerische Darbietung des Flamenco-Tanzes – „el baile“. Allerdings war die Tanzpraxis zu dieser Zeit ausschließlich Frauen vorbehalten.
Der Zeitraum, indem sich die „cafés cantantes“ etablierten, ist in der Geschichte des Flamencos eine entscheidende Ära, denn in dieser Phase wurde ein breites Publikum mit der Flamencokunst vertraut.

Heute wird der Flamenco von Männern und Frauen getanzt, allerdings tanzt man nicht paarweise sondern allein. Gesang, Begleitmusik und Tanz sind aufeinander abgestimmt, die Schrittfolgen sind kompliziert und folgen strengen Regeln. Doch beim Flamenco ist nicht nur die Fußtechnik entscheidend, sondern – ähnlich wie beim Ballett – nahezu jeder Teil des Körpers. Bis hin zur Blickrichtung und Fingerhaltung muss alles stimmen. Eine besondere Herausforderung sind die langsamen Tanzpassagen, da es auch hier gilt, die expressionistische Spannung aufrechtzuerhalten.
Flamenco wird oft mit Ballett verglichen weil beide Tänze eine enorme Körperbeherrschung verlangen. Abgesehen von diesem Aspekt ist der typische Flamencostil jedoch nicht mit Ballett vergleichbar, da die Schritte bodenverhaftet sind und keine Schwebefiguren beinhalten, die ein zentraler Bestandteil des Balletttanzes sind.