Das Flamenco-Verzeichnis

Gesang im Flamenco

Gesang im Flamenco

Der traditionell mit Andalusien verbundene Flamenco, der auf einen breiten Hintergrund verschiedener kultureller Einflüsse – wie etwa hispanische und jüdische bis hin zu maurischen und sogar angenommenen afrikanischen Einflüssen – zurückgeht, vereint drei wichtige Elemente, welche im Zusammenspiel miteinander gleichermaßen zu dem charakteristischen Flamenco-Bild beitragen.

Dieses Dreiergebilde besteht zum einen aus dem für den Flamenco typischen Tanz, welcher im Spanischen schlicht und einfach als baile bekannt ist, zum anderen aus der charakteristischen Flamenco-Musik, beziehungsweise aus dem Spiel der daran beteiligten Instrumente, welches im Spanischen toque genannt wird. Das wichtigste Instrument ist die guitarra flamenca, also die Gitarre oder Flamenco-Gitarre. Das dritte und an dieser Stelle besonders wichtige Element ist der Flamenco-Gesang, welcher auch im deutschen Raum als cante bezeichnet wird.

Der cante bildete ursprünglich die Grundlage des gesamten Flamenco überhaupt, da erst zu dem bereits existierenden Gesang die weiteren Elemente wie Musik, Rhythmus und Tanz später hinzugefügt wurden. Der Gesang im Flamenco ist dabei äußerst komplex. Zum einen stellt oftmals bereits das reine Verständnis des textlichen Inhaltes der Strophen oder coplas eine Herausforderung für den Flamenco-Laien sowie den von auswärts kommenden Sprecher dar. Der Gesang ist oft regional gefärbt, was bedeutet, dass der Inhalt, der sich oft um die verlorene Geliebte, eine unerreichbare Liebe sowie das damit verbundene Leid(en) dreht, im jeweils spezifischen Dialekt der Region vorgetragen wird. Zudem stellen die im Gesangsbild vorhandenen, von arabischem Einfluss herrührenden, melodischen Verzierungen sowie die Wahl der Tonart eine Herausforderung an das zuhörende Ohr. Die Wahl der Tonart fällt hierbei in der Regel auf den sogenannten Dorischen Modus, welcher zu den vier Kirchentonarten oder auch authentischen Tonarten zählt.

Die Art der Flamenco-Gesänge lässt sich in zwei Gruppen einteilen: in die cante jondo und die cante chico, welche beide jeweils nochmal verschiedene Gesänge zusammenfassen. Unter die cante chico fallen unter anderem Gesänge wie die Alegrías, der Tango (flamenco), die Rumba, die Sevillanas und der Fandango. Der Tango ist einer der Gesänge, welche die Grundlage für den Flamenco in seiner ursprünglichen Form bildeten. Unter die cante jondo, also den tiefen Gesang, fallen Gesänge wie die Soleá, die Toná, die Malageñas oder die Siguiriyas. Des Weiteren gibt es Gesänge mit einem festen compás (rhythmischen Muster) und Gesänge ohne eine solche Vorgabe (cante libre). Zusätzlich wird der Gesang in seinem Ausdruck durch die Instrumente unterstützt, wie etwa durch das von der Gitarre erzeugte Tremolo, den Rasgueado (eine Art Rasseln) oder den Golpe (das Klopfen auf die Gitarre).