Das Flamenco-Verzeichnis

Flamenco heute in Deutschland

Flamenco heute in Deutschland

Googelt man den Walzer, den deutschen Volkstanz schlechthin, sieht man 5 030 000 Einträge. Sucht man den Flamenco, erhält man 60 200 000 Einträge. Daraus ist die sagenhafte Faszination des Flamenco heute in Deutschland zu erkennen. Obwohl das Herz des Flamenco im spanischen Andalusien schlägt, haben die Seele und das Feuer dieser traditionellen Musik aus dem spanischen Süden auch Deutschland ergriffen.

Über 150 Flamenco-Schulen gibt es deutschlandweit. Die Flamencozeitschrift „Anda“ erscheint 6x im Jahr und offeriert der beständig wachsenden Fangemeinde alles zu deren Leidenschaft sowie interessante Workshops. Es gibt Flamenco-Radiostationen und das Flamenco-TV im Internet. Überall gibt es Flamenco-Filme, Flamenco-Musik-Shows, DVD und CD. Flamenco-Shops bieten Schuhe, Fächer, Röcke, Kleider, Mantones, Kastagnetten und andere Preziosen an. Tablaos heißen die Flamenco-Lokale. Tablaos gibt es nicht nur im hitzeflirrenden Sevilla, in Granadas Sacromonte-Höhlen oder in Madrid. Besucher der Tablaos in Deutschland sehen bisweilen technisch versierte Künstler in der perfekten Attitüde und in guten Shows. Man will den Flamenco vermarkten.

Gründlich will das aber nicht gelingen. Den Cante Jondo, den tiefen Gesang, die Seele des Flamenco, kann man nicht kommerzialisieren. Mit der Seele des Flamenco lassen sich keine Profite machen.
Der Cante Jondo wurde geboren aus den Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen im Süden der iberischen Halbinsel. Die musikalischen Traditionen, die die Gitanos, die Zigeuner, aus dem fernen Indien mit nach Spanien brachten, mischten sich hier mit den orientalischen Gesängen der Mauren und den liturgischen Trauerliedern der Sepharden sowie dem altspanischen Liedgut der Christen. Damals wie heute gibt der Gesang im Flamenco den Ton an. Ihm nachgeordnet sind Gitarrenmusik und Tanz. Aber ohne diese drei Bestandteile in der Gesamtheit des Flamenco hätte dieser den Sprung auf die große Bühne, über Spaniens Grenzen und in die Welt hinaus wohl kaum geschafft.

Der Flamenco geht durch Mark und Bein. Er kommt kehlig und rau im Stakkato aus der Tiefe der Seele. Springt er über, nimmt der Duende, der Dämon, von den Menschen ringsum Besitz.
Im Flamenco offenbart sich die Geschichte der Zigeuner, eine Geschichte der Ausgrenzung und des tiefen Leids.